Newsbeitrag

Burnout – Das neue “Must Have” oder tatsächliche Bedrohung?

In unserer Serie „Know how to go“ werden aktuelle psychologische Themen kurz und kompakt erklärt und auch für den Laien greifbar gemacht.

Gestresste Mitarbeiter/innen sind heute eher die Regel als die AusnahmeDer Begriff Burnout erlebt in den letzten Jahren einen regelrechten Hype und wird beinahe schon inflationär gebraucht. Was genau das ist und woher es kommt, darüber lassen sich die unterschiedlichsten Theorien und Meinungen finden. In einigen Kreisen gilt es als trendy, sagen zu können „Ich habe einen Burnout“, denn das deutet auf eine überaus ehrgeizige Person hin, die sich durch Aufopferung für die Arbeit ihren Erfolg erkämpft hat. Man muss ja schließlich gebrannt haben, um ausgebrannt sein zu können. Und wenn wir ganz ehrlich zu uns selber sind, kommt uns doch auf die Verneinung der Frage, ob jemand gestresst ist, auch sofort in den Sinn, dass derjenige doch faul oder unwichtig sein muss. Fällt dann aber jemand am Arbeitsplatz dauerhaft aus, verbinden die Mehrzahl der Menschen mit dem Begriff „Burnout“ eher depressive Symptome, die die Leistungsschwachen unter uns bekommen, die die den Anforderungen der Arbeitswelt nicht gewachsen sind. Da fragt man sich doch: Was denn jetzt? Leistung bringen bis der Arzt kommt ist ok, Ausfallen jedoch noch nicht?! Und genau diese Einstellung ist es, die das Öl ins Feuer gießt.

Was ist Burnout und welche Symptome hat die Krankheit

Tatsächlich ist der Begriff Burnout der Arbeitswelt zuzuordnen.  Die Symptomatik zeichnet sich auf drei Ebenen ab, die sowohl nacheinander als auch parallel verlaufen können. Zu Beginn startet man voller Enthusiasmus und Arbeitseifer in den neuen Job. Man möchte tun, was man kann und mag, und das so gut wie möglich. Die erste Begeisterung versiegt, sobald man erkennt, dass die eigene Arbeitsbegeisterung nicht geteilt wird und die erwartete Wertschätzung von Kollegen, Vorgesetzten und Kunden ausbleibt. Die Arbeit wird nicht länger als erfüllend angesehen, sondern als auslaugend und energieraubend. Es kommt zur emotionalen Erschöpfung. Man ist andauernd müde und niedergeschlagen und entwickelt eine Unfähigkeit, sich in der Freizeit zu entspannen. Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Kopf- und Rückenschmerzen und die Anfälligkeit für Infekte nehmen zu.

Im weiteren Verlauf kommt es zu einer Distanzierung zum Arbeitsumfeld. Der Frust, der aus der Enttäuschung über die Arbeitssituation entstand, wendet sich auch gegen Kollegen und Kunden. Man wird zynisch und findet an allem und jedem etwas zu nörgeln. Das kann bis zur Depersonalisation führen. Das heißt, dass man sich der Arbeitsumgebung nicht mehr zugehörig fühlt, man sieht sich als Außenstehender. Die ehemals gemochte Arbeitsaufgabe wird ohne emotionale Beteiligung und mit Widerstand ausgeführt. Natürlich bleibt die Arbeitsleistung davon nicht unbeeinträchtigt. Durch Konzentrationsstörungen und Arbeitsunzufriedenheit sinken Leistung, Kompetenz und Kreativität. Dies wiederum erzeugt Schuldgefühle und fördert die Distanzierung und emotionale Erschöpfung.

Die eventuellen Folgen einer Burnout-Erkrankung

Wird diese Spirale nicht erkannt und unterbrochen, kommt es häufig zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Ängsten und Drogen-, Alkohol- und Medikamentensüchten. Jeder 7. Depressive begeht mindestens einen Selbstmordversuch. Ungefähr die Hälfte derer, die durch Suizid starben, litt an Depressionen. Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen machten in 2013 13,4% der Arbeitsunfähigkeitstage aus. Sie waren nach Muskel-/Skelett und Atemwegs-Erkrankungen die dritthäufigste Ursache der Fehltage (Quelle: BpTk, 2015). Betrachtet man die genannten körperlichen Symptome bei einer Burnout-Erkrankung, stellt sich die Frage, ob die in den Statistiken führenden körperlichen Erkrankungen nicht auch Ausdruck der psychischen Belastung sind. Leider fragt der Allgemeinarzt noch immer zu selten nach dem psychischen Befinden, wenn der Patient über Nackenverspannungen, Rücken- oder Kopfschmerzen, andauernde Müdigkeit oder Magen-Darm-Probleme klagt.

Burnout von Mitarbeitern im Unternehmen

Die moderne Arbeitswelt und Unternehmensorganisation trägt auch ihren Anteil zur Entstehung eines Burnout-Syndroms bei. Unklare Rollen- und Aufgabenanforderungen, Ausbleiben von positivem Feedback und Wertschätzung, unbefriedigende Teamarbeit, geringer Entscheidungsspielraum sowie Zeitdruck begünstigen die Arbeitsunzufriedenheit. Immer häufigere Restrukturierungen verbunden mit Führungs- und Aufgabenwechseln erhöhen die Ängste und senken das Vertrauen in die soziale Verantwortung des Unternehmens. In einer Untersuchung in 16 DAX-Unternehmen zeigte sich, dass in 2011 im Durchschnitt 6,5% ihrer Mitarbeiter an Burnout litten. Unter 15 Personen ist somit statistisch ein Burnout-Erkrankter (Quelle: statista).

Doch die Arbeit allein ist nicht der Grund für die Entwicklung der Burnout-Symptome. Meist kommt es nur in Kombination dieser äußeren Faktoren mit inneren Faktoren zum Ausbruch der Erkrankung. Die inneren Faktoren liegen in der Person. Zu hohe Ideale, ausgeprägter Ehrgeiz und Perfektionismus zählen dazu, ebenso wie Ängste vor Ablehnung, Gesichtsverlust, Versagen oder Verlust des Arbeitsplatzes. Auch unbewusste Wünsche, die eigene Persönlichkeitsstruktur oder eine mangelhafte Regulierung des eigenen Energiesystems können die Entstehung von Burnout begünstigen.

Was wird zur Burnout-Prävention derzeit getan

Nach wie vor ist Burnout ein häufiges, ernstzunehmendes Erkrankungsbild. Jeder selbst, aber vor allem die Unternehmen tragen ihren Anteil dazu bei. Ausbaden müssen es bisher aber zum Großteil immer noch die Betroffenen und das Gesundheitssystem. Dabei würden die Unternehmen Milliarden sparen, wenn sie in Burnout-Prävention investieren würden. In 2011 entstanden in Deutschland 16,2 Mrd. EUR Kosten durch Produktionsausfälle und Verlust an Arbeitsproduktivität aufgrund psychischer Erkrankungen (Quelle: BMAS/baua, 2011). Wozu immer mehr, schneller und billiger produzieren, wenn Gewinne in Milliardenhöhe vor der eigenen Haustür als Geschenk parat liegen?! Bleibt zu hoffen, dass die Unternehmen das Problem – oder besser diese Goldgrube – irgendwann erkennen und angehen.

Falls Sie für Ihr Unternehmen eine ausführliche Beratung wünschen, stehen wir Ihnen als Ansprechpartner sehr gern zur Verfügung. Auch als Privatperson sollten Sie bei Anzeichen eines Burnouts handeln und uns kontaktieren. Wir beraten Sie nachfolgend ausführlich zu möglichen Leistungen.

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Autoren: Beatrice Noack, Andrea Herz und Anja Beck

Herz&Beck - Mansfelder Straße 9, 06108 Halle (Saale) - Telefon: 0345 / 68922414 - E-Mail: kontakt@herz-beck.de - Webseite: www.herz-beck.de

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